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2018 war ein denkbar schlechtes Jahr für unsere Lieblinge. Die Anzahl der Hunde in deutschen Haushalten stieg in den letzten 5 Jahren drastisch an. Der Trend: Immer mehr Hundebesitzer, die ohne jegliche Vorkenntnisse oder sorgsame Planung einkaufen. Dabei achten die meisten Menschen auf das Aussehen des Hundes. Die Folge ist, dass sie der Hunderasse oft nicht gewachsen sind. Hunde aus dem Ausland werden oft extra gezüchtet und dann in sog. Tötungsstationen als Straßenhunde vermitteln. Nicht allzu selten kauft man die Katze im Sack und meint es dabei nur gut.

Prestigedenken und blanke Unwissenheit

Hier zwei oft gesehene Beispiele. Unangebrachtes Prestigedenken gepaart mit blanker Unwissenheit lassen aus einem aus dem Ausland angepriesenen Labrador-Welpen schnell mal einen ausgewachsenen türkischen Kangal werden – ein Hütehund erster Güte in der Größe eines Ponys, der sein Rudel unter Umständen auf Biegen und Brechen beschützen will. Voll im Trend steht auch der Tschechisch-Slowakische Wolfshund, der in der Lage ist, 100 km Grenzstreifen selbstständig zu überwachen. Da muss man sich die Frage stellen, ob man 100 km Grenzstreifen im Garten hat oder aber die Möglichkeit,  den Hund täglich mehrere Stunden die nächsten 20 Jahre auszulasten Denn so alt werde diese Hunde. Hab ich den Mut und die Lust nachts um 3 die Rangordnung zu klären? Eher nein. Dennoch ist das ein neuer Modehund, der leider meistens nicht im Geringsten artgerecht gehalten werden kann und somit unausgelastet und daher oft aggressiv wird.

Wir begegnen also Hunden, die entweder wie ein Zugpferd bellend an der Leine ziehen oder frei laufend auf der Wiese fremde Passanten anspringen. Nach dem Motto „Mein Hund tut nix, er möchte ja nur Hallo sagen“. Kiloweise Hundekot türmt sich auf den Gehwegen und mit Kotbeutel übersäte Freiflächen runden das Bild ab. Der Hundeboom auf der einen Seite, die verdrossenen Hundehasser auf der anderen. Sehen wir da einen Zusammenhang?

Ich meine ganz klar ja.

Jüngste Giftköder-Attacken könnten neben allem Unverständnis ob der Grausamkeit ein Ausdruck dessen sein, was sich auf unseren Hundewiesen entwickelt. Meist sind es sogar ehemalige Hundebesitzer mit streng erzogenen Hunden, die sich zu solch unverständlicher Gewalt hinreißen lassen. Oft sind es aber auch schlechte Erfahrungen zum einen und pure Abneigung und gar Angst zum anderen. Damit solche Aktionen endgültig der Vergangenheit angehören, müssen wir Hundefreunde uns kritischer an der Nase fassen und den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Vierbeinern kultivieren. Denn Giftköter-Attacken sind nur die Spitze des Eisbergs. Darunter gibt es noch ganz viele Abstufungen von Hass, um die wir uns noch größere Sorgen machen sollten.

Das Image der Hunde bröckelt gewaltig und somit auch das der gut erzogenen. Jüngste Vorkommnisse z.B. im Zusammenhang mit Wildschweinen machten Schlagzeile und trugen dazu bei, dass immer mehr Bürger kritisch gegenüber Hunden und deren Haltung eingestellt sind. Umso wichtiger ist es, das gesunde Gleichgewicht zwischen Hund, Besitzer und Nicht-Hundebesitzer (wieder) herzustellen. Dafür reichen schon ein paar wenige aber wichtige Grundregeln aus.

Augen auf beim Hundekauf

Zum einen rate ich dringend zu einer professionellen Beratung vor dem Hundekauf. Ich biete diesen Service kostenlos an, da es mir ein Anliegen ist, von Anfang an die Weichen für ein erfolgreiches Miteinander zu stellen. Die Beratung findet meist zu Hause vor Ort statt, damit ich mir ein Bild von den Lebensumständen und der familiären Situation machen kann. Ich notiere die Erwartungen und kann dann relativ schnell ungeeignete Rassen ausschließen und ggf. geeignete Kandidaten zu suchen. Ich mahne dabei wie bereits erwähnt dringend die mittlerweile unzähligen Auslandsorganisationen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Unsere Tierheime sind voll von super Hunden, die sich oft nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen geben. Ein gemeinsamer Probe-Spaziergang zeigt oft schnell, ob der Hund in seine neue Familie passt oder nicht. Bislang gab es nur Punktlandungen. Und meist ist es ja so, dass ich Hund und Besitzer weiterhin in meinen Trainings begleiten darf.

Rasse-gerechte Auslastung ist das A und O

Wenn jedoch die Entscheidung schon gefallen ist, dann muss der Hund Rasse-gerecht ausgelastet werden. Meine Aufgabe sehe ich darin, Hundebesitzer zu sensibilisieren.  Damit sie erst einmal erkennen, dass sie ihren Hund nicht im Griff haben. Ein Hund, der nicht sicher abrufbar ist, hat weniger mit einem Freigeist zu tun, sondern mehr mit einem Tier, dass mehr und mehr in der Rangordnung nach oben klettert. Bis er dann anfängt, das Rudel zu verteidigen und ggf. auch zuschnappt. Hunde, die außer Kontrolle geraten können reine Waffen sein. Das ist den wenigsten Besitzern bewusst. Und genau dieses Bewusstsein lernen Kunden in meinen Trainings.

Ein Hund braucht viel Zeit

Dazu einen regelmäßigen sozialen Austausch mit dem „Rudelführer“ und artgerechte Auslastung. Wie etwa Spürnasentraining (Mantrailing) oder Gehorsamsübungen. Schon 15 Minuten am Tag gezieltes Arbeiten mit dem Hund kann Wunder bewirken. Ein Hund, der mehrere Stunden alleine zuhause ohne Aufgaben verbringt, beginnt sich zu langweilen oder kommt auf dumme Gedanken. Er verliert die Bindung zum Besitzer und entwickelt ein Eigenleben, das im schlimmsten Fall großen Schaden anrichten kann. Ich biete deshalb unter anderem das freie Training an, in dem sich bis zu 15 Hunde mit Besitzern zum kontrollierten Spazierengehen treffen. Dort vermittle ich die Basics wie sozialer Umgang mit anderen Hunden und den Abruf. Das alles passiert nicht in abgezäunter Umgebung, sondern mitten im Laufer Leben. In meinen Trainings lernt der Mensch sein Tier lesen. Er weiß dann z.B., dass Leinen-Aggression nichts mit übermäßigem Spieltrieb verwechselt werden darf.

Der Hund als besserer Mensch

Die sogenannte Vermenschlichung von Hunden ist  eine der Hauptursachen von Problemen in der Hundeerziehung. Da gibt es natürlich eine große Grauzone. Auch ich lasse meine beiden Goldstücke aufs Sofa. Dennoch wissen sie, welchen Rang sie bei mir im Rudel haben. Ein gern genommener Satz von manchen Trainerkollegen ist „es ist alles erlaubt, was nicht stört.“ Doch durch unseren unbewussten Wunsch, den Hund als Partner- oder Kinderersatz zu sehen, erlauben wir unseren Hunden ein Verhalten oder Aufgaben, die ein Hund normalerweise nicht hat. Wir geben ihm das Gefühl, im Rudel/Familie gleichwertig zu sein. Warum sollte er dann auf den Besitzer hören, wenn er ihn abruft? Oder gar auf ein Kind in der Familie, das in den Augen des Hundes vielleicht sogar unter ihm in der Rangordnung ist?

Wenn der Hund Karriere macht

Stellen wir unseren Hund gleich, verhält er sich gleichwertig und fordert immer mehr ein. Er bellt oder springt andere Leute an, hört nicht beim Abruf oder bettelt am Tisch. Postboten dürfen das Gelände nicht betreten oder Gäste trauen sich nicht rein. Typische Situation auch bei Gästen. Der Hund prescht vor und bespringt den Gast. „Er freut sich ja nur und möchte begrüßen.“ Bei einem kleinen Hund noch kein Problem. Wäre der Malteser aber ein Rotweiler würde das schon anders aussehen. Nicht selten kommt es im Endstadium vor, dass der Hund das Bett verteidigt und er den Besitzer gar nicht mehr rein lässt. Da hat dann der Hund die Rudelführung übernommen. Er arbeitet sich so also langsam im Rang nach oben. Macht sozusagen Karriere.

Der Hund sollte der Rangniedrigste in der Familie sein. Entsprechend ergeben sich Verhaltensregeln für ihn. Und das ist meine Aufgabe bei 99% der Kandidaten im intensiven Training. Ich bin erst einmal damit beschäftigt, den Hund wieder zu ent-menschlichen. Ich merke sehr schnell, wie der Hunde eine Last ablegt. Wie einen schweren Rucksack, den er unbewusst aufgedrängt bekommen hat. Er entspannt sich allmählich und atmet auf.

Aber wie gesagt, da gibt es ganz viele Grauzonen. Der gesunde Mittelweg ist gefragt. Hunde sind klasse Sozialpartner. Sie wollen dienen und uns gefallen. Ich lade deshalb alle Hundebesitzer ein, mit uns zusammen ein ausgewogenes Miteinander zu schaffen.

Bis bald, Euer Oliver!