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Im Gespräch mit Oliver Ludwig (Hundetrainer und Ausbilder für Servicehunde) und Cordula Sewald (Dipl. Sozialpädagogin mit Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik)

Hallo Oli, erkläre uns Laien doch bitte erst einmal den Begriff des Therapiehundes

Oli: Therapie- oder Servicehunde unterstützen Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Dazu zählen z.B. Diabetes, Epilepsie oder auch das Down-Syndrom. Zum anderen ist der Hund ein „Medium“, welches uns Menschen unheimlich viel Halt geben kann. Somit ist jeder Hund eine Art Therapiehund. Er steht bedingungslos zu seinem Halter und hat den uneingeschränkten Wunsch, Gutes zu tun. Er ist Anker, Helfer, Freund.

Zum professionell therapeutischen Einsatz suche ich allerdings Hunde mit speziellen Eigenschaften oder Talenten. Sie sind z.B. fähig einen besonderen Bezug zu Menschen zu entwickeln und werden für eine ganz bestimmte Aufgabe ausgebildet. Je nach Talent sind diese Hunde wahre Meister im Erkennen von Gefahren oder A-Normalitäten. So z.B. gibt es sogenannte „Schimmel-Hunde“, die sogar die unterschiedlichsten Arten von Schimmel riechen können. Dazu werden tendentiell Hunde mit einem großen Riechorgan eingesetzt wie z.B. Labradore, Schäferhunde oder sogar Dobermänner. Bei Diabetes kommt noch dazu, dass der Hund nicht nur das Näschen haben muss, sondern auch die Bereitschaft, seine Zunge einzusetzen. Denn im Fall der Diabetes schmeckt der Hund mit seiner Zunge den Zuckergehalt in den Adern – meist am Handgelenk. Er macht durch Laute darauf aufmerksam, wann die nächste Insulinzufuhr notwendig ist. Ein hilfreicher Service z.B. bei Kindern oder alten Menschen.

Die Ausbildung zu einem Epilepsie-Warnhund ist eine der speziellsten und schwierigsten. Diese Hunde müssen den Menschen in einer komplexen Gesamtheit unterstützen. Die Aufgabe besteht darin, die Symptome eines Anfalls lange vorher zu erkennen und richtig zu deuten. Er muss z.B. solch einen lebensbedrohlichen Anfall von Schluckauf unterscheiden. Ein ausgebildeter Epilepsie-Hund ist also ein lebendiges Frühwarnsystem mit einer unglaublichen Treffsicherheit. Und da die einzelnen Aufgabengebiete in sich so speziell sind, gibt es ganz selten den Allrounder, der alles kann 

Wie wird ein Hund zum Servicehund?

Oli: Sicherlich gibt es Rassen, die sich durch ihre DNA von vorne herein besser geeignet sind und andere wiederum eher nicht in Frage kommen – wie z.B. sehr bewegungsaktive und lebhafte Hunde. Man hat also bestenfalls schon einen Züchter mit Erfahrung an der Hand und beginnt mit der Auswahl des richtigen Welpen gleich nach der Geburt. Denn nur da sieht man das „ungesüßte ich“ des Hundes. Mit viel Erfahrung beobachtet man den Wurf und setzt dabei verschiedene Kriterien an. Welches der Welpen ist forsch und behauptet dominant seinen Platz beim Saugen und welcher ist eher unterwürfig und beweist soziale Kompetenz. Was passiert z.B. bei lebhafter Musik mit wechselnden Höhen und Tiefen? Fängt der Welpe aufgeregt zum Bellen an oder bleibt er einfach nur cool. Durch solche Tests, viel Erfahrung und eine gehörige Portion Bauchgefühl lässt sich im frühen Stadium erkennen, welcher Vierbeiner die Ruhe, Gelassenheit und notwendige Zurückhaltung für seinen späteren Job mitbringt 

Liebe Cordula, warum werden so wenige Hunde hier in Deutschland eingesetzt?

Cordula: Das Therapiemittel Hund ist schlicht weg noch zu wenig etabliert. Zwar gibt es immer mehr Konzepte, bei denen durchaus talentierte Hunde jedoch ohne Ausbildung in guter Absicht in Kindergärten oder Schulen eingesetzt werden. Diese Hunde sind nicht selten einem Stress ausgesetzt, dem sie nicht gewachsen sind und dann unter Umständen hilflos schnappen. Da ist die schlechte Publicity vorprogrammiert und das Image der professionellen Therapiehunde leidet immens. Das Problem ist, dass es für uns Sozial-Pädagogen keine integrative Ausbildung mit Therapiehunden gibt. Es werden vielzählige Seminare und Weiterbildungen angeboten, in denen man sogar ohne Praxiserfahrung mit Hund ein entsprechendes Zertifikat bekommt. Mein Glück war, dass ich zwar diese Zusatzausbildungen absolvierte und in Zusammenarbeit mit Oliver jemanden an meiner Seite habe, der das Wohlergehen des Hundes im Blick hat und ich mich ganz auf die Menschen konzentrieren kann. Wenn wir zu Therapiestunden gerufen werden, treten wir also in den meisten Fällen als Team auf.

Und nun kommt Quincy als erster Lehrling ins Haus. Erzählt uns mehr über seine Ausbildung zum Epilepsie-Warnhund für die kleine Maja

Oli: Claudia und Frank Schnoy haben uns damit beauftragt, für ihre Tochter Maja – sie lebt seit Geburt an mit Cerebralparese – einen Therapiehund für Maja auszubilden. Seit ca. 1 Jahr besuche ich Maja mit meiner Hündin Viesta und die Erfolge motivierten Familie Schnoy so dermaßen, dass sie sich für einen eigenen Hund entschieden: Der kleine Quincy!

Der jetzt 9 Wochen alte Welpe bekommt die nächsten 2,5-3 Jahre eine intensive Ausbildung zum Epilepsie-Hund. Dabei entschieden wir uns für die eher komplexe und zeitintensive Inklusionsmethode – also die natürliche Einbindung in die Familie von Anfang an. Quincy ist regelmäßig mit Maja‘s Familie bei uns in der Hundeschule und lernt die Basics wie Sitz, Platz und die Grundausrüstung für den sozialen Umgang mit Artgenossen und Menschen. Umgekehrt bin ich sehr oft bei den Schnoys zuhause und verbinde Quincy behutsam mit seiner neuen Freundin Maja. Dabei hilft mir Viesta immens. Und um ehrlich zu sein ist sie die eigentliche Ausbilderin von Quincy (grins).

Alles in allem ist die Ausbildung von Quincy sehr zeitaufwändig und muss von langer Hand geplant werden. Jedoch ist unsere Vorgehensweise für mich die einzig sinnvolle Methode, um einen maximalen Erfolg zu erzielen.

Ich bin sehr stolz auf dieses Projekt und hoffe mit unserer offenen Kommunikation, dass wir damit viele betroffene Familien inspirieren können.

Die Reise von Maja und Quincy fängt jetzt erst an, begleiten Sie uns einfach ein Stück dabei! Fortsetzung folgt.

Oli & Cordula